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Von der Unberechenbarkeit der Bilder


Die Zeiten werden wieder turbulent.

Derweil sind wir bemüht, gemachte Erfahrungen festzuhalten. Das Original unseres Hausbesetzerepos DER HÄUSERFILM wurde im Landesarchiv eingelagert. Das frankokanadische Undergroundkinoprojekt Cinema Abattoir brachte gerade eine Broschüre über die Filmgruppe Chaos heraus in der Reihe Blibliotheque Contrecinema Noir/Noir, schwarz gedruckt auf schwarzem Papier. Todschick.

Ein längerer Artikel über die Geschichte der Filmgruppe Chaos erscheint wohl im im SCHMALFILM Magazin 6/2011. Duncan Reekie, Gründungsmitglied des Londoner EXPLODING CINEMA (es feiert im Oktober 2011 20stes Jubiläum), will ein weiteres Buch über Undergroundfilm herausbringen. Wir wollen uns mit einem Kapitel beteiligen.

Auch wenn Kodak die Produktion der legendären K40 Kassette eingestellt hat, ist Super8 nicht totzukriegen. Es ist uns inzwischen fast schon peinlich, wie hip der vintage Look im bewegten Bild heutzutage ist. In amerikanischen Filmhochschulen wird auch wieder viel in dem Format gearbeitet, da die Studenten so halbwegs bezahlbar chemischen Film kennenlernen können.

Und da liegt zur Zeit unser Interesse. Wir sind nicht mehr auf die Super8 Kassette fixiert. Der Kühlschrank ist zum Bersten gefüllt mit 16 Filmresten und abgelaufenem Material, das wir für nen Appel und 'n Ei bei Ebay erworben haben. Die Möglichkeiten des traditionellen Filmmaterials, der Handentwicklung und Verfremdung, sind bei weitem noch nicht ausgelotet. In Zeiten der digitalen HD Aufnahmen hat sich eine Bewegung gegen die unterkühlte Perfektion des Bildes und für die Alchemie der Filmemulsion, den Zauber des tanzenden Korns und der Magie des Unkontrollierbaren.

Diese Szene hat sich erstaunlich gut organisiert. Frankreich hat die höchste Dichte an Do-It-Yourself-Laboren, in denen Filmstreifen in Chemie getunkt werden. In Paris gibt es das traumhafte re:voir Projekt, ein Studio für Experimentalfilm mit eigenem Labor, nebst Filmvertrieb und angeschlossenem Laden für Filme und Filmliteratur weit ab vom Mainstream. Das „Labos“ Netz verbindt weltweit Filmverrückte, denen es kaum darum geht, einer angeblich aussterbenden Filmgattung einen musealen Raum zu geben. Es ist eine Szene, die in dem chemischen Film schlichtweg mehr Schönheit und künstlerische Ausdrucksmöglichkeiten erkennt.

Wir habe da auch noch einiges vor. Wir wollen auch nach langer Zeit wieder ein großes Filmprojekt angehen. Wir suchen weiterhin nach neuen Mitstreitern. Doch erstmal geht es für uns wieder nach China mit nem prallen Kurzfilmprogramm. Dort sind viele ersteinmal froh mit der Digitalkamera jenseits staatlicher Kontrolle arbeiten zu können. Wir konfrontieren unser Publikum auch mit solchen ästhetischen Diskussionen, die dort etwas befremdlich erscheinen.

Die Finanz- und Wirtschaftskrise rollt weiter um den Globus. Vielleicht bleibt China auch dieses Mal noch großteils verschont. Doch der Blick auf die Welt wird erschüttert. Das saubere, scharfe Bild von der Wirklichkeit ist eine Illusion.





 
 
  
filmgruppe chaos